Blick in die Vereinschronik
anläßlich des 85-jährigen Gründungsjubiläums im Rahmen eines Weinfestes am 02.10.2006
Auf Anlaß des Bäckergesellen Georg Gnedel welcher im benachbarten Oberbayern beschäftigt war und von dort das Schuhplatteln mitbrachte, fanden sich am Donnerstag, den 05. September 1921 zwölf junge Buaba und sechs Mädla im Gasthaus "Grüner Baum" ein, um den Gebirgstrachtenerhaltungsverein "D'Gennachtaler" Westendorf zu gründen. Trotz Hohn und Spott, welche dem jungen Verein von verschiedenen Kräften im Dorf entgegegebracht wurde, konnte schon bald eine Plattlergruppe ins Leben gerufen werden.
Nachdem so manches Trachtenfest besucht wurde, meistens mit dem Fahrrad, erwachte bald der Wunsch, sich eine eigene Vereinsfahne anzuschaffen, welche dann auch von der Fa. Auer in München zu einem Preis von DM 45.000 bezogen wurde. Am 26. und 27. Mai 1923 fand dann die 1. Fahnenweihe statt, bei welcher sich der Verein "Almrausch" Füssen als Patenverein zur Verfügung stellte. Noch im selben Jahr fuhr der Verein nach Schwabmünchen um beim dortigen Verein "Alpengruß" Pate zu stehen.
Am 20. Januar 1924 wurde auf der Generalversammlung beschlossen eine Trachtenkapelle zu gründen, für welche sich sofort vierzehn Burschen meldeten. Noch heute sind die Gennachtaler stolz, daß Ihnen der Lechgauverband schon am 1. und 2. August 1925 das 11. Gautrachtenfest übertrug, welches leider von strömenden Regen begleitet wurde und daher ein Defizit von 300 RM einbrachte. Im Jahre 1931 wurde dann der 1. Maibaum aufgestellt der von Martin Kees gemalt wurde. Außerdem nahm der Verein bei Trachtenaufmärschen 1930 in Rosenheim und 1933 in München teil. 1936 wurde durch die neu gegründete Theatergruppe das Stück "Die drei Dorfheiligen" zur Aufführung gebracht.
1938 wurde dann Narziß Birk zum 1. Vorstand gewählt, welcher das Amt bis 1946 und dann nochmals von 1956 bis 1968 inne hatte. Sein besonderer Verdienst war die Einführung einer einheitlichen Deandl- und Burschentracht. Die Tätigkeit im Verein während des 2. Weltkrieges beschränkte sich darauf, den Fronturlaubern einige frohe Stunden zu bereiten und den fünf Gefallenen und sonstigen Verstrobenen die letzte Ehre zu erweisen.
Der unermüdliche Alt-Vorplattler Georg Gnedel war es, der im Januar 1946 eine Versammlung einberief, an welcher 18 Burschen und Mädla dem Verein beitraten. Am 21. Juli 1946 feierte man das 25-jährige Gründungsjubiläum in kleinerem Rahmen. 1949 konnte unter Leitung von Georg Fleschhut sen. die erste Jugendgruppe des Vereins aufgestellt werden. Unvergesslich wird das am 29. und 30. Juli 1950 durchgeführte 28. Lechgautrachtenfest bleiben. Am 06. und 07. Juni 1959 wurde dann die zweite Vereinsfahne geweiht, als Patenverein fungierte wiederum der Verein "Almrausch Füssen". Leider ließ bald nach dieser Fahnenweihe das Interesse der Mitgleider merklich nach. In all dieser schwierigen Zeit war es dann die Trachtenkapelle die unsere Westendorfer Tracht am Leben erhalten hat.
Durch das Bemühen vom damaligen Gauvorstand Widmann berief man am 19. September 1971 eine außerordentliche Versammlung ein, bei welcher sich Georg Fleschhut sen., obwohl als Dirigent der Trachtenkapelle vielbeschäftigt, als 1. Vorstand bei der Wahl zur Verfügung stellte und auch gewählt wurde und das Amt bis 1992 inne hatte. Unter seiner Führung blühte der Verein förmlich auf, und so konnte mit dem Neuaufbau einer Plattlergruppe begonnen werden. Ebenso nahm eine neue Jugendgruppe mit 12 Paaren Gestalt an. Georg Fleschhut sen. war derjenige der die Jugendlichen im Platteln, in der Volksmusik und Gesang ausbildete, was den Gennachtalern bis heute noch gut tut.
Bei der Generalversammlung 1972 wurde der Verein in Trachten- und Heimatverein "Gennachtaler" Westendorf umbenannt. 1975 war es der Jugendgruppe unseres Vereins vorbehalten, beim Preisplatteln in Steingaden den 1. Platz zu erringen. Bereits am 28. und 29. Juni 1975 führte dann unser Verein das 53. Lechgautrachtenfest durch, an welchem bei Blitz und Wolkenbruch 33 Vereine und 17 Musikkapellen teilnahmen.
Am Ostersonntag 1980 veranstaltete der Verein einen Heimatabend, an diesem wurden u.a. die verdienten Mitglieder Josef Singer, Narziß Birk und Ulrich Müller zu Ehrenmitgliedern ernannt. Am 28. Juni 1981 feierte der Verein im kleinen Kreis das 60. Gründungsjubiläum. Während des Feldgottesdienst wurde die 1979 für DM 4.000 renovierte und 1959 geweihte zweite Vereinsfahne von Pfarrer Neuner gesegnet. Im Herbst 1988 wurde Georg Fleschhut für seine langjährigen großen Verdienste vom Gauverband mit dem goldenen Ehrenzeichen ausgezeichnet.
Der 21. November 1989 wird als wahrhaft historischer Tag in das Vereinsleben eingehen, konnte doch an diesem Tag im Rahmen einer kleinen Feier die Schwäbische Tracht, welche sich sechs Frauen und zwei Männer nach Beratung des Trachtenpflegers von Schwaben, Walter Wörtz anfertigen ließen, vorgestellt werden.
Bei der Generalversammlung im Frühjahr 1992 löste Michael Fleschhut seinen Vater nach 21 Jahren als 1. Vorstand ab. Georg Fleschhut sen. wurde noch im Herbst 1992 bei einem Ehrenabend zum Ehrenvorstand ernannt. Im Frühjahr 1995 wurde dann dem Ehrenvorstand das Ehrenzeichen des bayer. Ministerpräsidenten für Verdienste im Ehrenamt verliehen.
Bei der Generalversammlung im Frühjahr 1996 wurde nach Abstimmung die Eintragung ins Vereinsregister als eingetragener Verein (e.V.) beschlossen. Noch im selben Jahr wurde dann vom 12. bis 15. Juli das 74. Lechgautrachtenfest im Rahmen des 75. jährigen Gründungsjubiläum durchgeführt. Diesmal nahmen bei strahlendem Sonnenschein am Festsonntag 39 Trachtenvereine mit ca. 2500 Trachtlerinnen und Trachtlern sowie 18 Musikkapellen und 10 herrlich geschmückte Festwägen am Festzug teil. Im Jahre 1997 fand dann am 27. April im Bürgerhaus Alpenblick das Wertungsplatteln der Aktiven sowie am 26. Oktober das Gaujugendplatteln statt.
Am 18. April 1998 wurden im Rahmen eines Ehrenabends die Mitglieder Adolf Fleschhut und Erich Negele zu Ehrenmitgliedern ernannt.
Am 16. September 2002 konnte am Volkstanzabend die Westendorfer Tanzlmusi im Kreis von rund 130 Volkstänzern ihr 25-jähriges Jubiläum feiern. Im Jahre 2003 wurde das Adventsingen des Lechgaues in der Pfarrkirche St. Michael in Westendorf durchgeführt und von unserem Verein organisiert.
Im Verlaufe eines Vereinsabends am 16. Oktober 2004 mit Ehrungen wurde 1. Jugendleiter Dismas Ritzel nach 30 Jahren als Jugendleiter verabschiedet, da er sich aus beruflichen Gründen bei der diesjährigen Generalversammlung leider nicht mehr zur Verfügung stellen konnte. Auch ihm wurde im Rahmen einer Feierstunde im Landratsamt Marktoberdorf das Ehrenzeichen des Bayer. Ministerpräsidenten für Verdienste im Ehrenamt verliehen.
Zum Abschluß dieser Chronik wäre noch mitzuteilen, daß unser Verein derzeit 223 Mitglieder inkl. der Musikanten der Trachtenkapelle zählt. Der Verein will auch in Zukunft die guten alten Sitten und Bräuche unserer Vorfahren erhalten und somit der Jugend aufrechtzuerhalten. Ein besonderes Anliegen ist dem Verein die Jugendarbeit und so wären noch weitere Kinder und Jugendliche willkommen um somit den Trachtenverein Gennachtaler auch für die Zukunft zu erhalten.
Westendorf, im September 2006

